Dr. Ortner
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"Ich bin schwul"
Tim hat festgestellt, dass er in einen seiner besten Freunde verliebt ist. Doch der erzählt jetzt überall herum, dass Tim schwul ist und beleidigt ihn. "In mir ist nur noch Leere und Angst", erzählt Tim.
Sehr geehrte Frau Dr. Ortner!
Vor etwa einen Jahr habe ich bemerkt, dass ich schwul bin. Am Anfang habe ich gedacht, dass das nur eine Phase ist, aber dann hab ich mich auf einer Klassenfahrt in einen meiner besten Freunde verliebt. Er war immer sehr freundlich zu mir, deswegen habe ich mir gedacht, dass ich im das auch sagen kann. Da hab ich mich aber ziemlich geirrt.
Er hat es jedem weiter erzählt und jetzt weiß es die ganze Schule. Viele halten mich für krank oder für nicht normal, weil ich zu mir stehe. Auch er beleidigt mich ständig. Schön langsam glaube ich auch, dass etwas mit mir nicht stimmt. Vielleicht bin ich ja wirklich krank.
Das Problem ist, dass ich ihn immer noch liebe. Aber er hasst mich dafür. Ich weiß, dass er kein richtiger Freund ist wenn er mich, nur weil ich ihm vertraut habe, wegen meiner Gefühle zu ihm hasst. Ich weiß auch, dass es eigentlich blöd von mir ist, dass ich ihn immer noch liebe, obwohl er so zu mir ist. Aber es ist nun mal so.
Ich möchte gar nicht mehr in die Schule und ich habe mein Leben überhaupt nicht mehr im Griff. Eigentlich möchte ich gar nicht mehr leben. Ich hab zuviel Angst, um zu meinen Eltern oder meinen Lehrern zu gehen um ihnen diese Geschichte zu erzählen. Manchmal denke ich, dass ich mich in psychiatrische Behandlung begeben sollte, aber davor hab ich Angst. Denn das würde heißen, dass ich es meinen Eltern sagen müsste. Die denken, dass alles in Ordnung ist.
Ich weiß nun echt nicht mehr was ich tun soll, oder ob ich noch leben soll, wenn ohnehin alles den Bach runter geht. So hat das Leben echt keinen Sinn mehr. In mir ist nur noch Leere und Angst, eigentlich schon vor so ziemlich allem. Ich hoffe, dass sie mir helfen können.
Danke, Tim (15)
PS: Sie können dieses E-Mail gerne veröffentlichen, da es ohnehin schon jeder weiß. Vielleicht geht hilft es ja anderen, denen es ähnlich geht. Danke im voraus.
Dr. Ortner:
Ich kann es nachvollziehen, dass es Freunde befremdet und irritiert, wenn sich jemand aus ihrem Kreis plötzlich outet. Aber es erschüttert mich jedesmal, wenn ich von solch intolerantem Verhalten dummer, eingeengter Menschen ohne Herzensbildung (wie dein Freund und einige Mitschüler) höre. Heutzutage sollte man doch schon wissen, dass Homosexualität weder eine Krankheit noch eine Perversion ist. Viele meinen zumindest, dass sie unnatürlich sei. Auch das stimmt nicht, denn sie ist genetisch bedingt und kommt auch bei Tieren vor; - Also ist Homosexualität von der Natur gegeben. *Keiner* ist daher für seine sexuelle Neigung zu verurteilen. Es wäre wünschenswert, dass euer Biologielehrer die Klasse darüber aufklären könnte.
Es ist verständlich, dass Eltern Probleme damit haben, wenn ihr Kind homosexuell ist. Sie wissen, dass ihr Kind mit dieser Neigung kein übliches Familienleben mit eigenen Kindern haben wird, und dass diese Lebensform gesellschaftlich nicht so einfach zu führen ist wie bei Heterosexuellen. Klarerweise wünschen sich Eltern, dass ihr Kind den üblichen und daher einfacheren Lebensweg beschreitet. Verständnisvolle Eltern erkennen, dass ihr Kind nur dann glücklich sein kann, wenn es seine Neigung frei ausleben darf. Da liebende Eltern am Glück ihres Kindes interessiert sind, akzeptieren sie dessen andere Lebensform und gewöhnen sich daran.
Ich verstehe, dass du verzweifelt bist und dich total einsam fühlst. Du wirst abgelehnt, wie ein Aussätziger behandelt und es steht dir niemand zur Seite. Beurteile deine Welt nicht nach dem kleinen, engen Kreis, der dich derzeit umgibt. Dein Leben ist nicht davon abhängig. Es gibt weitaus mehr Menschen mit deiner Neigung und genügend Heterosexuelle, die absolut kein Problem damit haben. Menschen sollte man nur nach ihrer Herzensbildung beurteilen- und die ist bei dir sicher gut ausgeprägt, also bist du ein achtens- und liebenswerter Mensch!
Du bist auch weitaus stärker als du dich fühlst, denn trotz deiner extremen psychischen Belastung reflektierst du richtig über die Situation und findest die Kraft, offen für Ratschläge zu sein. Gib dich nicht auf! Du mit deinen Qualitäten findest sicher viele Menschen, die dich ernst nehmen und schätzen - und diese, NUR diese sollen zu deiner Welt gehören. Es ist also eine gute Idee, dass du dein Mail ins Internet gestellt haben möchtest. Ich bin davon überzeugt, dass dir wertvolle Menschen antworten werden, und dass dir der Kontakt mit einigen von diesen helfen wird, wieder Lebensmut zu fassen.
Steh zu dir so wie du bist, denn du bist total o.k.!
P.S. Wende dich auch an einen Therapeuten, der dir hilft, dich zu ermutigen.
lg.Dr.Ortner
Vor etwa einen Jahr habe ich bemerkt, dass ich schwul bin. Am Anfang habe ich gedacht, dass das nur eine Phase ist, aber dann hab ich mich auf einer Klassenfahrt in einen meiner besten Freunde verliebt. Er war immer sehr freundlich zu mir, deswegen habe ich mir gedacht, dass ich im das auch sagen kann. Da hab ich mich aber ziemlich geirrt.
Er hat es jedem weiter erzählt und jetzt weiß es die ganze Schule. Viele halten mich für krank oder für nicht normal, weil ich zu mir stehe. Auch er beleidigt mich ständig. Schön langsam glaube ich auch, dass etwas mit mir nicht stimmt. Vielleicht bin ich ja wirklich krank.
Das Problem ist, dass ich ihn immer noch liebe. Aber er hasst mich dafür. Ich weiß, dass er kein richtiger Freund ist wenn er mich, nur weil ich ihm vertraut habe, wegen meiner Gefühle zu ihm hasst. Ich weiß auch, dass es eigentlich blöd von mir ist, dass ich ihn immer noch liebe, obwohl er so zu mir ist. Aber es ist nun mal so.
Ich möchte gar nicht mehr in die Schule und ich habe mein Leben überhaupt nicht mehr im Griff. Eigentlich möchte ich gar nicht mehr leben. Ich hab zuviel Angst, um zu meinen Eltern oder meinen Lehrern zu gehen um ihnen diese Geschichte zu erzählen. Manchmal denke ich, dass ich mich in psychiatrische Behandlung begeben sollte, aber davor hab ich Angst. Denn das würde heißen, dass ich es meinen Eltern sagen müsste. Die denken, dass alles in Ordnung ist.
Ich weiß nun echt nicht mehr was ich tun soll, oder ob ich noch leben soll, wenn ohnehin alles den Bach runter geht. So hat das Leben echt keinen Sinn mehr. In mir ist nur noch Leere und Angst, eigentlich schon vor so ziemlich allem. Ich hoffe, dass sie mir helfen können.
Danke, Tim (15)
PS: Sie können dieses E-Mail gerne veröffentlichen, da es ohnehin schon jeder weiß. Vielleicht geht hilft es ja anderen, denen es ähnlich geht. Danke im voraus.
Dr. Ortner:
Ich kann es nachvollziehen, dass es Freunde befremdet und irritiert, wenn sich jemand aus ihrem Kreis plötzlich outet. Aber es erschüttert mich jedesmal, wenn ich von solch intolerantem Verhalten dummer, eingeengter Menschen ohne Herzensbildung (wie dein Freund und einige Mitschüler) höre. Heutzutage sollte man doch schon wissen, dass Homosexualität weder eine Krankheit noch eine Perversion ist. Viele meinen zumindest, dass sie unnatürlich sei. Auch das stimmt nicht, denn sie ist genetisch bedingt und kommt auch bei Tieren vor; - Also ist Homosexualität von der Natur gegeben. *Keiner* ist daher für seine sexuelle Neigung zu verurteilen. Es wäre wünschenswert, dass euer Biologielehrer die Klasse darüber aufklären könnte.
Es ist verständlich, dass Eltern Probleme damit haben, wenn ihr Kind homosexuell ist. Sie wissen, dass ihr Kind mit dieser Neigung kein übliches Familienleben mit eigenen Kindern haben wird, und dass diese Lebensform gesellschaftlich nicht so einfach zu führen ist wie bei Heterosexuellen. Klarerweise wünschen sich Eltern, dass ihr Kind den üblichen und daher einfacheren Lebensweg beschreitet. Verständnisvolle Eltern erkennen, dass ihr Kind nur dann glücklich sein kann, wenn es seine Neigung frei ausleben darf. Da liebende Eltern am Glück ihres Kindes interessiert sind, akzeptieren sie dessen andere Lebensform und gewöhnen sich daran.
Ich verstehe, dass du verzweifelt bist und dich total einsam fühlst. Du wirst abgelehnt, wie ein Aussätziger behandelt und es steht dir niemand zur Seite. Beurteile deine Welt nicht nach dem kleinen, engen Kreis, der dich derzeit umgibt. Dein Leben ist nicht davon abhängig. Es gibt weitaus mehr Menschen mit deiner Neigung und genügend Heterosexuelle, die absolut kein Problem damit haben. Menschen sollte man nur nach ihrer Herzensbildung beurteilen- und die ist bei dir sicher gut ausgeprägt, also bist du ein achtens- und liebenswerter Mensch!
Du bist auch weitaus stärker als du dich fühlst, denn trotz deiner extremen psychischen Belastung reflektierst du richtig über die Situation und findest die Kraft, offen für Ratschläge zu sein. Gib dich nicht auf! Du mit deinen Qualitäten findest sicher viele Menschen, die dich ernst nehmen und schätzen - und diese, NUR diese sollen zu deiner Welt gehören. Es ist also eine gute Idee, dass du dein Mail ins Internet gestellt haben möchtest. Ich bin davon überzeugt, dass dir wertvolle Menschen antworten werden, und dass dir der Kontakt mit einigen von diesen helfen wird, wieder Lebensmut zu fassen.
Steh zu dir so wie du bist, denn du bist total o.k.!
P.S. Wende dich auch an einen Therapeuten, der dir hilft, dich zu ermutigen.
lg.Dr.Ortner
Diskussionsforum: "Ich bin schwul"
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| Viel Glück! | 0 | 19.03.2010, evii97 |
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