Dr. Ortner
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Familie oder Selbstständigkeit?
Anna hat eine tolle Beziehung zu ihren Eltern - und Angst davor, sich von ihnen zu lösen. Denn dazu wäre es langsam Zeit, glaubt sie. Was meint ihr? Postet eure Ratschläge!
Liebe Dr. Ortner!
Ich leide seit einiger Zeit unter Beklemmungszuständen und Angst. Ich schätze, dass es daran liegt, dass ich mich gerade direkt an der Schwelle zum Erwachsenenalter befinde (ich bin 16). Ich habe und hatte schon immer eine sehr enge Bindung zu meiner Familie, und da mein Freundeskreis eher klein ist, verbringe ich viel Zeit zu Hause mit meinen Eltern und Geschwistern.
An sich ist das eine wunderbare Sache, ich glaube kaum jemand in meinem Alter hat eine so gute Beziehung zu seinen Eltern. Manchmal frage ich mich aber, ob es nicht an der Zeit ist, dass ich mich langsam ein bisschen von ihnen löse.
Genau das ist es aber, was mir solche Angst bereitet. Die Vorstellung, dass ich irgendwann alleine leben muss, ist schrecklich. In 2 Jahren werde ich anfangen zu studieren, viele in meinem Bekanntenkreis reden davon, im Ausland zu studieren oder zu arbeiten. Ich aber habe schon auf Klassenfahrten schrecklich Heimweh. Und auch wenn ich mir einen Freund wünsche, habe ich Angst davor, eine Beziehung zu führen.
Zu der Angst, meine Familie zu "verlieren" kommt dann auch noch das Gefühl, dass ich nicht ganz normal bin, weil sonst offenbar niemand diese Probleme hat. Ich weiß, dass es langsam Zeit wird, dass ich erwachsen und selbstständig werde, aber ich habe das Gefühl, dass ich das einfach nicht kann, obwohl es doch ganz natürlich ist.
Ich denke nicht, dass ich ein wirkliches psychisches Problem habe, wie viele andere, die unter Angst leiden, aber ich habe manchmal eine richtig körperliche Beklemmung, wenn ich daran denke, und ich weiß nicht genau, wie ich das in den Griff kriegen kann.
Vielen, vielen Dank schon im voraus
(Sie können meinen Brief auch auf mytopic.at veröffentlichen, das wäre vielleicht auch hilfreich.)
Lg Anna
Dr. Ortner:
Anna,
natürlich kann ich Ratschläge und therapeutische Hilfestellungen gegen Ängste jeder Art geben. ABER in deinem Fall glaube ich, dass dies noch nicht erforderlich ist. Deine Angst entsteht aus dem inneren Druck deines Zwiespaltes: einerseits findest du, dass du dich von der Familie loslösen musst, andererseits fühlst du dich aber bei den Eltern geborgen und verstanden. Du würdest also viel aufgeben müssen, nur um den fraglichen Gewinn, dass du –wie die meisten deines Alters- eigenständiger wirst. Das bringt dich in einen Konflikt – und somit entstehen Angstgefühle.
Du sollst selbständig sein, musst aber nicht eigenständig – im Sinne von Distanz zu den Eltern- werden. Du hast das Glück ein harmonisches Familienleben zu haben. Es gibt keinen Grund und auch keine Altersgrenze, die besagt, dass man sich von solch liebenswerten Eltern loslösen muss.
Mir ist es wie dir ergangen. Ich bin erst im Alter von 27 Jahren von zu Hause weggezogen, meine Brüder mit 24 und 21 Jahren. Diese langen Jahre zu Hause waren ein Gewinn für unser ganzes Leben und haben uns zu treuen Partnern und zu absolut selbstsicheren, eigen- und selbständigen Menschen reifen lassen. Auch mir wollten Freunde und Kollegen damals einreden, dass es „normal“ wäre, sich früher von den Eltern zu trennen. Nur haben diese Freunde nie solch tolerante, verständnis- und liebevolle Eltern wie du und ich gehabt. Quäl dich also nicht mehr mit dem Konflikt. Bleib so lang es möglich ist in der elterlichen Geborgenheit – natürlich nur sofern du durch sie nicht entmündigt wirst.
Der richtige Zeitpunkt für die räumlichen Distanz ergibt sich sicher auch bei dir von allein.
Lg.Dr.Ortner
Ich leide seit einiger Zeit unter Beklemmungszuständen und Angst. Ich schätze, dass es daran liegt, dass ich mich gerade direkt an der Schwelle zum Erwachsenenalter befinde (ich bin 16). Ich habe und hatte schon immer eine sehr enge Bindung zu meiner Familie, und da mein Freundeskreis eher klein ist, verbringe ich viel Zeit zu Hause mit meinen Eltern und Geschwistern.
An sich ist das eine wunderbare Sache, ich glaube kaum jemand in meinem Alter hat eine so gute Beziehung zu seinen Eltern. Manchmal frage ich mich aber, ob es nicht an der Zeit ist, dass ich mich langsam ein bisschen von ihnen löse.
Genau das ist es aber, was mir solche Angst bereitet. Die Vorstellung, dass ich irgendwann alleine leben muss, ist schrecklich. In 2 Jahren werde ich anfangen zu studieren, viele in meinem Bekanntenkreis reden davon, im Ausland zu studieren oder zu arbeiten. Ich aber habe schon auf Klassenfahrten schrecklich Heimweh. Und auch wenn ich mir einen Freund wünsche, habe ich Angst davor, eine Beziehung zu führen.
Zu der Angst, meine Familie zu "verlieren" kommt dann auch noch das Gefühl, dass ich nicht ganz normal bin, weil sonst offenbar niemand diese Probleme hat. Ich weiß, dass es langsam Zeit wird, dass ich erwachsen und selbstständig werde, aber ich habe das Gefühl, dass ich das einfach nicht kann, obwohl es doch ganz natürlich ist.
Ich denke nicht, dass ich ein wirkliches psychisches Problem habe, wie viele andere, die unter Angst leiden, aber ich habe manchmal eine richtig körperliche Beklemmung, wenn ich daran denke, und ich weiß nicht genau, wie ich das in den Griff kriegen kann.
Vielen, vielen Dank schon im voraus
(Sie können meinen Brief auch auf mytopic.at veröffentlichen, das wäre vielleicht auch hilfreich.)
Lg Anna
Dr. Ortner:
Anna,
natürlich kann ich Ratschläge und therapeutische Hilfestellungen gegen Ängste jeder Art geben. ABER in deinem Fall glaube ich, dass dies noch nicht erforderlich ist. Deine Angst entsteht aus dem inneren Druck deines Zwiespaltes: einerseits findest du, dass du dich von der Familie loslösen musst, andererseits fühlst du dich aber bei den Eltern geborgen und verstanden. Du würdest also viel aufgeben müssen, nur um den fraglichen Gewinn, dass du –wie die meisten deines Alters- eigenständiger wirst. Das bringt dich in einen Konflikt – und somit entstehen Angstgefühle.
Du sollst selbständig sein, musst aber nicht eigenständig – im Sinne von Distanz zu den Eltern- werden. Du hast das Glück ein harmonisches Familienleben zu haben. Es gibt keinen Grund und auch keine Altersgrenze, die besagt, dass man sich von solch liebenswerten Eltern loslösen muss.
Mir ist es wie dir ergangen. Ich bin erst im Alter von 27 Jahren von zu Hause weggezogen, meine Brüder mit 24 und 21 Jahren. Diese langen Jahre zu Hause waren ein Gewinn für unser ganzes Leben und haben uns zu treuen Partnern und zu absolut selbstsicheren, eigen- und selbständigen Menschen reifen lassen. Auch mir wollten Freunde und Kollegen damals einreden, dass es „normal“ wäre, sich früher von den Eltern zu trennen. Nur haben diese Freunde nie solch tolerante, verständnis- und liebevolle Eltern wie du und ich gehabt. Quäl dich also nicht mehr mit dem Konflikt. Bleib so lang es möglich ist in der elterlichen Geborgenheit – natürlich nur sofern du durch sie nicht entmündigt wirst.
Der richtige Zeitpunkt für die räumlichen Distanz ergibt sich sicher auch bei dir von allein.
Lg.Dr.Ortner
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