© Taina Sohlmann/Shutterstock.comWie man verhindert, dass man als Kunde systematisch übers Ohr gehauen wird.

Dein Smartphone kann technisch ungefähr so viel wie vor 20 Jahren ein viele Kilogramm schwerer Computer, der viele Tausend Euro gekostet hat. Dass du ein so viel besseres Gerät zu einem so viel günstigeren Preis bekommst, hat zwar viele Gründe, aber der wesentlichste war zweifellos der funktionierende Wettbewerb: Zahllose Handy-Erzeuger in aller Herren Länder haben um dich als Kunden gekämpft – jeder wollte dir das beste Handy zum günstigsten Preis verkaufen. Deshalb stieg die Qualität und sank der Preis so weit wie möglich. Ein möglichst großer und fairer Wettbewerb ist das wichtigste Prinzip erfolgreicher Wirtschaft. Ganz verwirklicht ist es zwar nie: Apple nutzt z. B. unfaire Steuervorteile und Chinas Smartphone-Produktion muss wenig Rücksicht auf die Umwelt nehmen – aber im Großen und Ganzen hat der weltweite Wettbewerb bei Smartphones funktioniert. Bei einer anderen Ware hat er ganz und gar nicht funktioniert: bei Lastkraftwagen. Die größten europäischen Erzeuger – Daimler (Mercedes), Volvo/Renault, Iveco, DAF und MAN – haben sich nämlich insgeheim zu einem „Kartell“ zusammengeschlossen: Sie haben vereinbart, keinen Wettbewerb gegeneinander zuzulassen, sondern ihre Fahrzeuge

alle zum gleichen hohen Preis zu verkaufen. Ein Frächter, dem z. B. ein Zehn-Tonnen-Lkw mit 200 PS von MAN zu teuer vorgekommen ist, hatte keine Chance, bei Renault oder Daimler einen billigeren zu erwerben – das hatten die Verkaufsleiter miteinander abgesprochen. Ein preislicher Wettbewerb bei Lastwagen fand 14 Jahre lang nicht statt.

Kartelle sind ideal für hohe Gewinne

Für die Gewinne der beteiligten Lastwagenerzeuger war das natürlich ideal: Sie boomten. Für die Gewinne der Frächter war es das Gegenteil: Sie mussten die Lastwagen viel teurer als nötig kaufen und wir als ihre Kunden mussten höhere Frachtpreise bezahlen. Firmen, die etwas produzieren, haben daher eine große Vorliebe für Kartelle. Ihre Kunden müssen das größte Interesse daran haben, dass es keine Kartelle gibt. Kartelle wie das beschriebene standen und stehen daher in allen Ländern unter Strafe. Nur dass man die geheime Absprache ja entdecken und beweisen muss und dass das insbesondere deshalb so schwierig ist, weil die beteiligten Unternehmen meist in verschiedenen Ländern tätig sind.

Gegen Kartelle kämpft nur die EU erfolgreich

Erst seit es die EU gibt, werden Kartelle mit einigem Erfolg aufgedeckt und auch bestraft. Insbesondere seit zusätzlich die sogenannte Kronzeugenregelung eingeführt wurde: Das Unternehmen, das bei der Aufdeckung hilft, kommt straflos davon. Im konkreten Beispiel war das MAN: Dessen Firmenleitung hat der Strafbehörde als Erstes Beweismaterial gegen die anderen Beteiligten zur Verfügung gestellt. Damit konfrontiert konnten auch sie die verbotenen Absprachen nicht mehr leugnen. Die Strafen, die die EU-Kommission aussprach, waren ordentlich: Daimler (Mercedes) musste eine Milliarde Euro Bußgeld bezahlen, Iveco, Volvo/Renault und DAF zwischen 500 und 750 Millionen. Vor dem Lastwagenkartell hat die EU übrigens ein Kartell der Schienen-Erzeuger und der Erzeuger von Rolltreppen aufgedeckt und hoch bestraft. Dergleichen erspart jedem von uns sehr viel mehr Geld, als ihn die eine oder andere unsinnige EU-Verordnung kostet.

 

Was heißt …

Kartell: ein Zusammenschluss von Unternehmen, die eigentlich im Wettbewerb miteinander stehen sollten, aber insgeheim vereinbaren, ihn zu verhindern

Weitere Infos: Wikipedia-Eintrag zum Thema “Kartell”

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