Die 4d-Klasse der NMS Neusiel am See hat im Rahmen des Deutschunterrichts eine Geschichte geschrieben, die wir euch nicht vorenthalten wollen …

„Ist das da vorne der Eingang in eine Höhle?“, fragte Thomas verwundert, weil er ihm davor noch nie aufgefallen war. Auch die beiden anderen hatten bis dahin noch nie etwas davon bemerkt, also meinte Olaf aufgeregt: „Besser könnten unsere Ferien gar nicht beginnen. Gehen wir doch einfach hinein!“
Gesagt, getan!
Schon nach ein paar Metern machten sie eine weitere unglaubliche Entdeckung: Ein wunderschöner alter Spiegel lag mitten in der Höhle. „Wahnsinn!“, entfuhr es dem staunenden Olaf.
Zusammen mit Thomas versuchte er ihn hochzuheben, es war unmöglich. Sie konnten ihn keinen Millimeter bewegen, das brachte die beiden zur Weißglut. „Warum lässt sich dieser verdammte Spiegel …“ „Ach, lassen wir ihn doch einfach!“, versuchte Nina die beiden Jungs zu beruhigen. „Auf keinen Fall! Dann zerstören wir ihn eben“, waren sich die zwei einig wie selten zuvor. „Ob das eine gute Idee ist?“, warf ihre Freundin ein. „Ihr seht doch, dass mit dem Spiegel irgendetwas nicht stimmt!“
Dieser unerwartete Einwand machte die beiden etwas stutzig. Aber Thomas provozierte seinen Freund so lange, bis dieser einfach auf den Spiegel draufsprang. Im selben Augenblick war er verschwunden. Wie vom Erdboden – in diesem Fall vom Spiegel – verschluckt. Thomas und Nina konnten es gar nicht fassen. „Hab ich dir´s nicht gesagt?“, brüllte sie ihn an. „Was sollen wir jetzt tun?“ Er kam nicht mehr dazu, ihr zu antworten, denn ein markerschütterndes Gebrüll durchdrang die Höhle bis in ihren letzten Winkel.
Es war ein riesiger Bär, der ihnen gar keine andere Wahl ließ, als ebenfalls hineinzuspringen.

Die Rutschpartie auf dem Regenbogen war sehr lustig. Nina dachte an ihre letzte Fahrt auf der Achterbahn und es roch nach Süßigkeiten. Thomas sah rosa Einhörner, Bäume, auf denen Schuhe zu wachsen schienen und schließlich sogar einen fliegenden Menschen und er machte Nina darauf aufmerksam, aber die konnten nach all dem bisher Erlebten solche Kleinigkeiten nicht mehr erschüttern. Sie kostete vom Eistee, der sie regenbogenabwärts trieb und war begeistert. Es war, als hätte sie nie etwas anderes erlebt. Alles war so bunt, so locker, leicht und wunderschön, so fremd und doch auf wundersame Art vertraut.
Sie landeten direkt beim Schokobrunnenturm, wo Olaf schon selig dreinblickend von der herrlich duftenden Schokolade naschte. „Na, was sagt ihr?“, empfing er sie. „Es ist fabelhaft!“, riefen beide voller Freude und machten sich ebenfalls über die Schokolade her. „Ich habe Einhörner gesehen“, sagte Thomas, „ganz viele rosa Einhörner! Und Bäume, auf denen …“ Hier blieb ihm das Wort im Mund stecken, denn was sie jetzt sahen, übertraf alles Bisherige noch einmal. Da waren sie wieder, die Schuhe, die sie vorhin auf den Bäumen gesehen hatten. Es waren Yeezies, und sie liefen alleine, wie von Geisterhand bewegt, an ihnen vorbei. Neugierig gingen sie ihnen hinterher. Sie achteten nicht darauf, dass die Schuhe schnurstracks auf einen riesigen Spiegel zusteuerten. Er war so riesengroß, dass man meinen konnte, er würde die ganze Welt in zwei Hälften teilen. Und tatsächlich! Ohne, dass sie es merkten, folgten sie den Yeezies durch den Spiegel hindurch und auf einmal war alles um sie herum nur mehr schwarz und weiß. Auch sie selber konnten sich plötzlich nur mehr in schwarz-weiß sehen. Es war wie in einem uralten Film. Weit und breit waren keine Farben zu sehen.
„Wo sind wir?“, fragte Nina erschrocken. Da hörten sie eine Stimme hinter sich: „Was macht ihr da? Ihr gehört hier nicht her!“ Als sie sich umdrehten, sahen sie eine geheimnisvolle schwebende Gestalt – eine Fee wahrscheinlich – mit warnend erhobenem Zeigefinger. „Verschwindet, solange es noch möglich ist!“ Bevor sie etwas sagen konnten, war die Fee auch schon wieder verschwunden. Aber sie hörten noch immer eine Stimme. „Zahnbürste bei Kessel Augenschokolade katzenhaarig“, klang es von der einen Seite. „Sofa, Kleber, Baum und Platz!“, schrie von der anderen eine zweite dazwischen. Immer mehr Stimmen waren zu hören, immer wirrer wurde das Geschrei und plötzlich waren sie umringt von seltsamen Gestalten, von kreischenden, sie bedrohenden Geistinnen. Der Ring wurde enger und enger und dann schwebten sie mit den Geistinnen davon. Sie brachten die drei zur bösen Königin des Schwarz-weiß-Landes. Mit gruseliger Stimme fragte die Königin sie, wie sie in ihr Reich gekommen seien. Thomas wollte ihr antworten, da fühlte er sich von einer starken Hand gepackt und durch ein goldenes Portal gezogen. Er war wieder im Buntland. Auch Nina und Olaf waren wieder beim Schokobrunnenturm.
„Ich habe euch gerettet!“, machte sich der alte Schokobrunnenturmmann bemerkbar. Sie hatten ihn zuvor gar nicht wahrgenommen. „Was hat das alles zu bedeuten?“, fragte Thomas. „Ihr seid durch eure Unvorsichtigkeit und Neugier hierher nach Schwebeland gekommen und nun sollt ihr ein paar Dinge über unser Land erfahren. Wie ihr schon gesehen habt, gibt es bei uns ein Bunt- und ein Schwarz-weiß-Land. Alles Schöne und Nützliche darf im bunten Teil bleiben, während alles Unnütze, wie zum Beispiel Schuhe, mit denen man nicht mehr fliegen kann oder Menschen, die nicht mehr reden können, ins Schwarz-weiß-Land verbannt werden.“

„Aber wieso gibt es diese Teilung?“, wollte Olaf wissen. „Nun, das hat folgenden Grund“, fuhr der Alte fort: „Die schwarz-weiße Königin und die bunte sind Schwestern. Ihre Eltern haben einst das Land aufgeteilt, weil die beiden ständig nur miteinander stritten. Die jüngere bekam das Buntland und die ältere, weil sie so zornig war, musste ins Schwarz-weiß-Land ausweichen. Ihr hattet Glück. Ihr könnt noch reden, deshalb ist es mir gelungen, euch wieder herauszuholen.“
„Wir können noch reden – noch? Was soll das heißen?“ fragte Nina und der seltsame Alte erklärte weiter: „Hier im Schwebeland muss man nichts tun – gar nichts. Nicht arbeiten, nicht essen oder trinken, nicht einmal sterben. Und irgendwann vergisst man dann eben auch zu reden und man verlernt es. Versteht ihr?“
„Und die vielen Süßigkeiten?“, erkundigte sich Nina. „Die sind nur für Neuankömmlinge, sozusagen als Willkommensgruß“. „Alles klar“, meinte Thomas, „dann werden wir uns mal umsehen!“
Die drei waren begeistert von den Möglichkeiten im Schwebeland. Anfangs flogen sie fast den ganzen Tag mit ihren Yeezies umher und spielten mit den Einhörnern, später aber lagen sie immer häufiger einfach auf der Wiese und starrten in den Himmel. Sie redeten kaum noch. Worüber sollten sie auch reden, wenn sie nichts zu tun hatten.
„Mir ist fad“, sagte Nina eines Tages. „Mir auch“, meinte Thomas. „Unglaublich, dass wir noch … äh … äh …“ „… reden können“, half er Olaf aus der Patsche und mit einem Male war ihnen allen dreien bewusst, wie ernst die Situation schon war.
„Wir müssen hier weg!“, sprach es Nina als erste aus. „Ja, aber wie?“, kam es wie aus einem Mund von den beiden anderen. Nach langen erfolglosen Beratungen kamen sie schließlich überein, noch einmal den Schokobrunnenturmmann aufzusuchen.
Der Alte war sehr erfreut über den Besuch, aber seine Laune verschlechterte sich schnell, als er von ihren Plänen hörte. Ninas Überredungskunst führte aber endlich doch zum erhofften Erfolg und so erfuhren sie vom Schokobrunnenturmmann, dass es irgendwo im Schwebeland einen vollkommen unnützen Spiegel gäbe, der möglicherweise der gesuchte Fluchtweg sei. Unnütz sei der Spiegel deshalb, weil er der Sage nach so gut bewacht werde, dass es bis jetzt noch niemand gelungen sei, zu ihm vorzudringen.
Die drei Freunde bedankten sich und machten sich also auf die Suche. Aber wo sollten sie suchen? Endlich hatte Nina eine Idee: „Der Spiegel ist doch vollkommen unnütz, also muss er im Schwarz-weiß-Land zu finden sein!“
Den Weg ins Schwarz-weiß-Land kannten sie schon und auch, wie sie zur bösen Königin kommen würden, war ihnen bekannt. Die Königin lachte schallend, als sie von ihrem Wunsch hörte, meinte dann aber, sie werde ihnen den Weg zum Spiegel gern beschreiben, weil es sie sehr amüsieren werde, wenn sie von ihrem Misserfolg hören würde.
So machten sich die drei Freunde also auf den Weg und kamen ohne Probleme bis zu den zwei riesigen Statuen, die aus Diamanten zusammengesetzt waren und vor einer Höhle Wache hielten. Die drei spürten förmlich, dass der Spiegel in der Höhle war. „Wie kommen wir an ihnen vorbei?“, fragte Nina. Da meinte Olaf: „Die Höhle ist von den beiden Statuen sehr gut bewacht, aber ich finde, sie schauen sehr traurig aus. Vielleicht können wir sie mit Humor von der Höhle weglocken!“ „Ja, das ist eine tolle Idee!“, stimmten die anderen zu und schon begannen sie einander Witze zu erzählen, einen nach dem anderen, aber immer darauf bedacht, dass die Statuen gerade die entscheidende Pointe nie hören konnten. Sie selbst aber lachten und lachten, dass ihnen die Tränen nur so aus den Augen herauskollerten.
Der Plan ging auf. Die Statuen wurden immer neugieriger und schlichen den drei Witzbolden nach, die endlich auch die Wachen mitlachen ließen und dann schnell in die Höhle schlüpften.
„Endlich!“, schnaufte Thomas. Plötzlich begann der Boden zu beben und ein steinernes Wesen mit leuchtend gelben Augen kroch aus der Erde hervor. „Ich bin der eigentliche Wächter des Spiegels! Ihr dürft nur durch, wenn ihr folgendes Rätsel lösen könnt: Im roten Haus wohnt der rote Mann, im blauen Haus der blaue Mann. Im grünen Haus wohnt der grüne Mann und im schwarzen Haus der schwarze Mann. Wer wohnt im weißen Haus?“
„Das ist leicht!“, schrie Olaf erleichtert. „Der wei…!“
„Nein!“, brüllte Thomas dazwischen und hielt seinem Freund im letzten Moment den Mund zu. „Nein, es ist der Präsident der vereinigten Staaten von Amerika!“
Das steinerne Wesen mit den gelben Augen begann vor Zorn zu fauchen und zu knurren, aber es musste zähneknirschend zugeben, dass das Rätsel richtig gelöst und der Weg zum Spiegel damit frei war.

Thomas sah sich um. Kein Zweifel, es war wirklich sein Zimmer und er lag wirklich in seinem Bett. Wie war er hierhergekommen? Die Bilder aus dem Schwebeland waren noch in seinem Kopf. „Hab ich das tatsächlich erlebt? – Wie spät ist es überhaupt? – Welcher Tag ist heute?“, überlegte er fieberhaft, „und was werden meine Eltern dazu sagen, dass ich so lange weg war?“
Er richtete sich langsam auf und sein Blick fiel auf den elektronischen Kalender auf seinem Schreibtisch. Er zeigte den 2. Juli – den ersten Ferientag. „Aber das ist doch unmöglich!“, dachte er sich. „Oder war ich etwa gar nicht weg? Bilde ich mir am Ende das alles nur ein?“
Er wagte es nicht, Olaf und Nina anzurufen, weil sie ihn doch für verrückt halten müssten, wenn er sich das Schwebeland nur einbilden würde.
Während er unschlüssig dasaß und hin- und herüberlegte, was er nun machen solle, klingelte sein Handy. Es war Nina. Nur sehr zaghaft hob er ab.
„Wir müssen uns sofort treffen! Olaf habe ich auch schon Bescheid gesagt. In einer Stunde vor der Höhle! – Tschüss!“
Sollte er nun erleichtert sein oder noch mehr verunsichert. Er wusste es nicht, aber er machte sich sofort auf den Weg und als er zur Höhle kam, waren die beiden anderen schon da.
Wortlos sahen sie einander an und jeder von ihnen wusste, wonach sie in der Höhle nun suchen würden.
Mit größtmöglicher Vorsicht schlichen sie auf den Eingang zu. Der Bär war zum Glück nicht da, aber der Spiegel auch nicht.

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